Kultur

Die Schwälmer Tracht
(Tracht des Jahres 2009)

Es gibt zwei Arten der Schwälmer Tracht:

1. Die Schwälmer Tracht, die der Vater seinem Kind androht (=Prügel) und
2. die traditionelle Kleidung der Schwalm, auf die hier eingegangen werden soll.

Die Schwälmer Tracht ist sehr vielfältig, da es für fast jeden Anlass eine unterschiedliche, bzw. abgestufte Tracht gibt.

Zur Konfirmation waren die Farben der Tracht dunkel. Der Abschied vom Kindesalter war also kein farbenfrohes Fest.
Die Jungen trugen erstmals den langen Kirchenrock und den Dreimaster, die Mädchen unter der Ziehhaube eine schwarze Kappe.

Schon an den Farben der Kleidungsstücke wie ihrer Zierrate unterscheidet man
das junge Mädchen (rot)
von der jungen (grün),
älteren (blau, violett) und
alten Frau (schwarz),

in der Schwalm auch den Knaben vom Jüngling und Mann (durch grüne, rote und schwarze Achselstücke) und selbst das 'gefallene' Mädchen vom jungfräulichen. Diese Farbenskala wirkt sich in allen Einzelheiten der Kleidung bis auf die Knöpfe aus.

Volltrauer (Schwarz und Weiß), Halbtrauer und Abtrauer mit genauer Abstufung nach den Verwandtschaftsgraden regeln Werktags-, Festtags- und Brauttracht. Die trauernde Schwälmerin trägt Strümpfe, deren Muster im Gegensatz zur rechtsmaschigen Ornamentik der Freudenstrümpfe linksmaschig gestrickt sind. In wenigen Orten am Rande des Schwälmer Territoriums tauschen die Schwälmer Neuverheirateten am ersten Ehetag die viereckigen 'Freudenschnallen' der Schuhe mit den ovalen 'Trauerschnallen', da der Ernst des Lebens begonnen hat.

Den Wohlstand kennzeichnen die Größe der Stickereien und die Anzahl der Bänder, vor allem aber die Zahl der Röcke (bis zu 15), ja selbst die Breite der blauen Streifen an den Erntetüchern und Leinensäcken des Schwälmer Haushaltes.

Ebenso hoben Einzelzüge der Festtracht den Schwälmer Stammhalter aus seinen Brüdern hervor.

Der Unterschied von Werktags- und Sonntagstracht erstreckt sich auf alle Einzelheiten der Kleidung bis zu den Strumpfbändern.
Doch geht die Sitte in ihren strengen Unterscheidungen noch weiter. Trägt der Schwälmer Bauer zum Abendmahlsgang den schwarzen Rock, so ist das 'Kamisol', der lange dunkelblaue Tuchrock mit violetter Stickerei, das Kleidungsstück für den zweiten Kirchgang am Abendmahlstag, das indessen nach dem Tode eines Kindes nie mehr getragen werden darf. Die weißen Leder- und Leinenhosen der Schwälmer Burschen sind Kirmestracht, aber die einzelnen Kirmestage lassen erneut die Kleidung wechseln, die am Samstag am reichsten ist.

weitere Informationen zur Schwälmer Tracht des hessichen Trachtenverbandes

 

Die Schwälmer Mundart

   
Die Schwälmer Mundart wird heute hauptsächlich noch von Schwälmern ab dem Alter von 40 aufwärts gesprochen, da diese Generation ihre Kinder vor schlechten Schulleistungen durch das Platt bewahren wollten, lernte es der Großteil der jüngeren Generationen allerdings nicht mehr.
In den Städten hört man es so gut wie gar nicht (mehr). Beispielsweise Neukirchen grenzt sich hierbei komplett aus, da sie sich selbst als Babiller und nicht als Schwälmer bezeichnen.

Das Schwälmer Platt wurde vermutlich unter anderem durch die aus Frankreich geflohenen Hugenotten  beeinflusst (z.B. Bürgersteig heißt im Platt und Französisch Truttwar (Schwälmer Schreibweise)).

Es gibt keine definierte Schreibweise für das Schwälmer Platt, also schreibt es jeder wie er es spricht. Das macht es manchmal etwas schwierig Platt zu lesen. Weiterhin differieren manche Worte von Ort zu Ort in geringem Maße, was dem Verständnis in der Regel keinen Abbruch tut.

Hörprobe zum Thema Platt und Schule in Schwälmer Mundart


Zitat aus einem Forum:

Ei´ch vermiß hej de veele oahner Dialekte - buh seng doa hej züm Beispeel de Moarbörjer ün Vugelsberjer?
Ach ich vermisse hier die vielen anderen Dialekte - wo sind denn hier zum Beispiel die Marburger und die Vogelsberger?

Ün meer Schwälmer schwatze che ö werrer en beßche oahnert - ei, doos äs che duch alles Hesse!
Und wir Schwälmer reden wieder ein bisschen anders - ei, das ist ja doch alles Hessen!

Ich hunn che nöut geje doos Gebabbel vu Frankfött/Südhessisch;
Ich habe ja nichts gegen das Geschwätz von Frankfurt/Südhessisch;

awwer doos müß ich üch hej muh sprä: bei ins schwatze de Lejt schu i jedem Nääst i beßche oahnerschter.
Aber das muß ich euch heute mal sagen: bei uns sprechen die Leute schon in jedem Nest ein bisschen anders.

Beispeel: "Kartoffeln" - meer spräche du Kattäufeln, oahner werrer Katuffeln, ün moanche ö Katökfeln.
Beispiel: Kartoffeln - wir sagen da Kattäufeln, andere wieder Katuffeln, und manche auch Katökfeln.

Feer "auch" spräche meer "ö", awwer es gett ö Därfer do sprächt ma "öch".
Für "Auch" sagen wir "ö", aber es gibt Dörfer, da spricht man "öch".

Mit däm "nicht/s" äs es ähnlich: nöut, naut, net
Mit dem "nicht/s" ist es ähnlich: Nöut, naut, net

Ün dann getts nuch zwee Nääster die spräche vu de "Lait" bann se de Lejt (Leute) minne, ün krische als "hei" bann se "hej" (hier) spräche bunn.
Und dann gibt es auch noch zwei Nester, die reden von den "Lait", wenn sie die "Lejt(Leute)" meinen, und kreischen dauernd "hei" wenn sie "hej (hier) sagen wollen.

Gälle (gelle) spräche die Schwälmer Lejt all, nür i ingem Quetsche-Nääst säät ma "worre" anstatt "gälle"
Gelle sagen die Schwälmer leute alle, nur in irgendeinem Kuhkaff (Quetsche=Zwetschgen, wörtlich Zwetschgennest) sagt man "worre" anstatt "gelle".

Doos "r" wädd bei ins ö gerullt, awwer nöut su iwwertriwwe bi do hinger Gieße(n).
Das R wird bei uns ins Ö gerollt, aber nicht so übertrieben wie da hinter Gießen (Wetterraarer Platt)

Su, nü hunn ich genüngk geschwatzt - macht´s gütt!
In Jong vu/öus de Schwalm
So, und nun hab ich genug erzählt, macht's gut!
Ein Junge von/aus der Schwalm