Geschichte

Rückershausen wurde erstmals als “Villa Ruggereshusen” um 1142 n. Chr. urkundlich als Lehen der Abtei Hersfeld erwähnt. Fest steht, dass es älter ist als seine historische Nennung, da die neuere Forschung der Siedlungsgeschichte davon ausgeht, dass die Ortschaften mit den Endungen -ing, -ingen, -heim, -hofen, -hausen, -dorf, -statt oder in Verbindung mit Personennamen aus der zweiten Siedlungsperiode (Frankenzeit) um 800 n. Chr. stammen. Das bedeutet, dass die Entstehung ca. 400 Jahre vor 1142 anzusetzen ist. Das Urkundenarchiv des Klosters Kappel benennt das Dorf um 1197 n. Chr. als “Rikershusen” oder an anderer Stelle als “Rukershusen”, “Rokershusen” (1243 n. Chr.) oder “Ruckirshusin” (1360 n. Chr.). Der Ort war 1368 n. Chr. ein Dorf des Gerichtes von Neukirchen in der Grafschaft Ziegenhain, bevor dieses 1450 n. Chr. an Hessen fiel.

 

Der das Dorf durchfließende Goldbach trennte in früheren Jahrhunderten die Gemeinde in Vorder- und Hinterdorf. Diese Bezeichnungen dienten der räumlichen Aufteilung der Dorfplätze. Inzwischen sind aber beide Ortsteile zusammengewachsen und der Goldbach ist in Rohre verlegt.

Bis zum Mittelalter lief zwischen Rückershausen und Riebelsdorf eine Straße zum Spieß, einer alten Gerichtsstätte bei Leimsfeld. Heute wird die Ortschaft von der Bundesstraße B454 nach Bad Hersfeld (von West nach Ost) durchquert, die täglich ca. 7000 Fahrzeuge durch den Ort führt.

Eng verbunden mit der Geschichte des Dorfes ist das adlige Geschlecht derer von Rückershausen, das erstmals 1226 n. Chr. urkundlich erwähnt wurde. Die von Rückershausen besaßen Ländereien und Liegenschaften in Ottrau, Röllshausen, Merzhausen und Willingshausen. Adelssitz war eine Burg in “Ruggershusen”, die später vollständig zerstört wurde. 1336 und 1343 wurden zwei Linien derer von Rückershausen mit dem Gericht von Ottrau betraut. Nach dem Erlöschen der Familienzweige ging das Erbe der einen an die Familie von Baumbach und das der anderen an die Familie Schleier. Mit dem Tod des letzten Nachkommens des Geschlechtes, Helwig von Rückershausen, im Jahre 1576 fiel das Erbe durch Heirat seiner Tochter Dorothea an die Familie von Schwertzell in Willingshausen. Helwig von Rückershausen ruht in der Stadtkirche zu Treysa, wo sein Grabstein noch heute zu sehen ist.

Hinsichtlich des kirchlichen Lebens gehörte Rückershausen seit 1569 zum Kirchspiel Neukirchen, seit 1742, wie heute, zu Riebelsdorf und im 19. Jahrhundert hatte es zeitweise einen eigenen Vikar. Inmitten des Dorfes steht die mit einem kleinen Türmchen gebaute Dorfkirche, die im 13. Jahrhundert als Kapelle erbaut und mit dem Schiff mit rechteckigen Fenstern 1816 erweitert wurde. Der ehemals kreuzrippengewölbte Chor stammt aus der spätgotischen Zeit des 15. Jahrhunderts und besitzt kleine Spitzbogenfenster. Bei Instandsetzungsarbeiten im Jahre 1962 wurde im Bereich des Chores ein Bilderzyklus aus dem Jahre 1559 freigelegt. Sechs der Bilder schildern Szenen aus dem Leben Jesu und eines die Leiden des Lazarus in den seit altersher üblichen Farben aus roter und gelber Erde, Oxydgrün und Schwarz. Sie sind in ihrer Verbindung von biblischen Szenen mit so reichen Architekturdarstellungen noch ohne Beispiel in hessischen Kirchen. Sie sind dank der genauen Beobachtungsgabe und der Freude an abwechslungsreicher Darstellung auch kulturhistorisch recht interessant. Die Fantasie des Malers ist dabei größer als die Schulung seiner Hand, aber dennoch überzeugt er mit den figurenreichen Bildern, deren Menschen alle mit dem gleichen Ernst dem Betrachter entgegenblicken.

Die Bilder sind vermutlich ein Geschenk des letzten, 1576 verstorbenen, Helwig von Rückershausen. Anfang des 17. Jahrhunderts wurden durch die “Verbesserungspunkte” des Landgrafen Moritz alle Bilder und Kruzifixe aus den Kirchen verbannt. Die Wandmalereien wurden 1612 einfach überkalkt und sind so über Jahrhunderte erhalten geblieben. Neben den Wandmalereien sind für das Abendmahl zwei silberne Kelche und zwei Zinnkannen aus der Reformationszeit in der Dorfkirche zu finden.
Rundumblick in die Kirche

Aus einer genauen Ortsbeschreibung aus dem Jahre 1777 geht hervor, dass Rückershausen zu diesem Zeitpunkt 80 Einwohner und 20 Häuser hatte. 1895 zählte man in 29 Wohnhäusern und Höfen 145 Einwohner. Bei der 800-Jahr-Feier von Rückershausen, die im 1957 nachgeholt wurde, hatte man 197 Einwohner. Etwa 90% waren damals selbstständige Landwirte. Weiterhin gab es noch Handwerker und Gewerbetreibende, die aus einem Schmied, einem Stellmacher, einem Hafermehlsmüller, einem Schneider, einem Baumeister und einem Gastwirt bestanden. Diese waren gleichzeitig auch Landwirte.

Durch den heutigen Strukturwandel gibt es derzeit in Rückershausen lediglich noch zwei Landwirte, einen Erdbaubetrieb, einen Off-Road Zubehörhändler, einen Hunde-Navi Vertrieb und das Therapiezentrum. Die meisten anderen Rückershäuser sind außerhalb von Rückershausen, ja meist sogar außerhalb der Gemeinde oder des Landkreises tätig.

Am 31. Juli 1907 wurde die Knüllwaldbahn von Treysa nach Bad Hersfeld eröffnet, allerdings ohne Haltestelle in Rückershausen. Die Strecke tangiert den Ort südlich in der Nähe des Fischteichs. Am 1. Juni 1984 wurde der Personenverkehr auf der Strecke zwischen Oberaula und Treysa eingestellt und am 31. August 1995 auch der Güterverkehr. Im Sommer 2007 begann auf der ehemaligen Bahntrasse der Ausbau des ersten Abschnitts des Knüllwaldbahn-Radwegs (R11) (Teil des Europaradwegs D4) neun Kilometer von Riebelsdorf bis zur Lenzenmühle bei Kleinropperhausen, der im April 2008 zur Benutzung, im September 2009 wurde auch das Teilstück von der Lenzenmühle bis Wahlshausen freigegeben.

Im Jahre 1928 wurden Teile des aufgelösten Gutsbezirks Forst Neukirchen in Rückershausen eingemeindet.

Bis zum Jahre 1940 gingen die Kinder von Rückershausen in die hiesige Schule, die sich heute auf dem Gelände der ehemaligen Gaststätte Schwalm befindet. Bevor das neue Schulgebäude gebaut wurde, befand sich der Unterrichtsraum direkt neben der Kirche.

Rückershausen war bereits kanalisiert, besaß eine zur damaligen Zeit moderne Tiefgefrieranlage im früheren Schulhaus, sowie ein neues Spritzenhaus, welches sich direkt neben dieser befand.

Der Ort holte im Oktober 1957 das Fest zum 800-jährigen Bestehen nach und bekam zu diesem Anlass die Freiherr von Stein Plakette verliehen, die heute noch das Dorfgemeinschaftshaus ziert.

Im November 1965 wurde im Rahmen einer Feierstunde eine Gedenkstätte für die Kriegsopfer beider Weltkriege an der Außenmauer der Kirche eingeweiht.

Am 24. November 1966 wurde der Gemeinde Rückershausen im Landkreis Ziegenhain ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: In Rot eine goldene Garbe zwischen zwei silbernen abgewendeten Beilen. In früheren Wappenbüchern findet sich allerdings das Wappen, welches in Rot eine goldene Garbe und in Gelb Sense und Rechen zeigt.

Im Zuge der gebietlichen Neugliederung auf Gemeindeebene im Lande Hessen erfolgte der freiwillige Beitritt zur Stadt Neukirchen zum 31. Dezember 1971, welcher am 17. September 1971 beschlossen wurde. Rückershausen zählte zu diesem Zeitpunkt 176 Einwohner und war bis dato eine eigenständige Gemeinde mit einer Fläche von etwa 4,19 km².

Am 30. Juni 1979 wurde das Dorfgemeinschaftshaus, das auf dem alten Friedhof des Dorfes errichtet wurde, eingeweiht. Ihm wurde ein neues Feuerwehrgerätehaus angegliedert. Das Dorfgemeinschaftshaus steht den hiesigen und auch allen Einwohnern der Großgemeinde Neukirchen zu unterschiedlichsten Anlässen zur Verfügung.

Im November 1985 wurde der ehemalige Hof Steinbrecher zu einem Therapiezentrum für alte und pflegebedürftige Menschen umgebaut und erweitert. Der Hof wird von etwa 60 Patienten bewohnt.

1992 fand die 850-Jahr-Feier statt. Rückershausen zählte 213 Einwohner.

1995 feierte die Freiwillige Feuerwehr des Ortes ihr 60-jähriges Bestehen.

Im Jahre 1999 wurde das Neubaugebiet mit zehn Bauplätzen und einem Spielplatz eröffnet. Die Bauplätze waren in nur kurzer Zeit vollständig vergeben und sind alle bebaut.

Ebenfalls in diesem Jahr wurde das Dorfgemeinschaftshaus zum größten Teil in Eigenleistung erweitert und ein neuer Sargraum angebaut.

Im Jahre 2003 wurde ein neues Tragkraftspritzenfahrzeug als Ablösung des 30 Jahre alten Gebrauchtfahrzeugs von Christerode und des vorherigen Anhängers der hiesigen Feuerwehr (gegründet (laut eigenen Aufzeichnungen) am 21. August 1934 (historisch belegt 1935)) in Dienst gestellt. Ergänzend kam im Jahr 2007 eine neue Pumpe, die das aus dem Jahre 1977 stammende Vorgängermodell ablöste, auf das Fahrzeug.

Ebenfalls im Jahr 2003 fand das erste Grenftalfest in Rückershausen statt, welches durch die Festgemeinschaft Rückershausen und einigen freiwilligen Helfern durchgeführt wurde. Dieser Verein versuchte an die von der in den 70er Jahren existierenden Burschenschaft Rückershausen veranstaltete Kirmes anzuknüpfen, indem er bis zur Auflösung in 2008 zwei Grenftalfeste und drei Dorffeste veranstaltete.

Die ortsansässigen Brandschützer feierten in 2010 ihr 75-jähriges Jubiläum.