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Es gibt zwei Arten der Schwälmer Tracht:
1. Die Schwälmer Tracht, die der Vater seinem Kind androht (=Prügel) und 2. die traditionelle Kleidung der Schwalm, auf die hier eingegangen werden soll.
Die Schwälmer Tracht ist sehr vielfältig, da es für fast jeden Anlass eine unterschiedliche, bzw. abgestufte Tracht gibt.

Zur Konfirmation waren die Farben der Tracht dunkel. Der Abschied vom Kindesalter war also kein farbenfrohes Fest. Die Jungen trugen erstmals den langen Kirchenrock und den Dreimaster, die Mädchen unter der Ziehhaube eine schwarze Kappe.
Schon an den Farben der Kleidungsstücke wie ihrer Zierrate unterscheidet man das junge Mädchen (rot) von der jungen (grün), älteren (blau, violett) und alten Frau (schwarz),
in der Schwalm auch den Knaben vom Jüngling und Mann (durch grüne, rote und schwarze Achselstücke) und selbst das 'gefallene' Mädchen vom jungfräulichen. Diese Farbenskala wirkt sich in allen Einzelheiten der Kleidung bis auf die Knöpfe aus.
Volltrauer (Schwarz und Weiß), Halbtrauer und Abtrauer mit genauer Abstufung nach den Verwandtschaftsgraden regeln Werktags-, Festtags- und Brauttracht. Die trauernde Schwälmerin trägt Strümpfe, deren Muster im Gegensatz zur rechtsmaschigen Ornamentik der Freudenstrümpfe linksmaschig gestrickt sind. In wenigen Orten am Rande des Schwälmer Territoriums tauschen die Schwälmer Neuverheirateten am ersten Ehetag die viereckigen 'Freudenschnallen' der Schuhe mit den ovalen 'Trauerschnallen', da der Ernst des Lebens begonnen hat.
Den Wohlstand kennzeichnen die Größe der Stickereien und die Anzahl der Bänder, vor allem aber die Zahl der Röcke (bis zu 15), ja selbst die Breite der blauen Streifen an den Erntetüchern und Leinensäcken des Schwälmer Haushaltes.
Ebenso hoben Einzelzüge der Festtracht den Schwälmer Stammhalter aus seinen Brüdern hervor.
Der Unterschied von Werktags- und Sonntagstracht erstreckt sich auf alle Einzelheiten der Kleidung bis zu den Strumpfbändern. Doch geht die Sitte in ihren strengen Unterscheidungen noch weiter. Trägt der Schwälmer Bauer zum Abendmahlsgang den schwarzen Rock, so ist das 'Kamisol', der lange dunkelblaue Tuchrock mit violetter Stickerei, das Kleidungsstück für den zweiten Kirchgang am Abendmahlstag, das indessen nach dem Tode eines Kindes nie mehr getragen werden darf. Die weißen Leder- und Leinenhosen der Schwälmer Burschen sind Kirmestracht, aber die einzelnen Kirmestage lassen erneut die Kleidung wechseln, die am Samstag am reichsten ist.
 
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